Wir werden immer öfter von Maturanden/innen und Studenten/innen um Auskunft gebeten. Wir stehen dafür grundsätzlich gerne zur Verfügung. Einige der Fragen, die immer wieder gestellt werden, sollen hier nachfolgend kurz beantwortet werden. Als Ergänzung zu den Antworten lese man das "Lehrbuch der Menschenkenntnis" und "Gesichter sprechen" sowie die Zeitschrift PHYSIOGNOMIE UND CHARAKTER. Die folgenden Antworten sind formuliert von Fritz Aerni.
Was ist Psychophysiognomik
Was ist Psychophysiognomik?
Psychophysiognomik ist
- die Wissenschaft vom Ausdruck der Formen und Farben, der Spannungen und der Bewegungserscheinungen beim Menschen, also
- die Lehre vom Ausdruck der Körper-, Kopf-, Gesichts- und Augenformen, der Mimik, der Gestik, der Gebärden, der Körperbewegungen, der Körperhaltungen, der Körperstellungen und der Sprache sowie aller Leistungen;
- die Lehre vom Ausdruck der Persönlichkeitsmerkmale, der kognitiven Fähigkeiten, der Talente und Begabungen, der sozialen Fähigkeiten;
- die Psychologie, die sich aus der Anwendung der vorstehenden Bereiche ergibt.
Was ist der Unterschied zwischen Psychophysiognomie und Psychophysiognomik?
Psychophysiognomie heißt "Erscheinungsbild". Eine Physiognomie hat nicht nur der Menschen, auch - beispielsweise - eine Landschaft, eine Stadt oder ein Fußballspiel. Psychophysiognomik meint "Lehre vom Ausdruck von Persönlichkeitsmerkmalen und psychischen Vorgängen".
Wo wird Psychophysiognomik heute angewendet?
Das Schließen vom Erscheinungsbild (der Psychophysiognomie) auf das Innere, das Wesen, den Charakter, die Persönlichkeit, die Ehrlichkeit usw. ist eine Grundleistung des menschlichen Nervensystems, eine conditio humana. Jedermann schließt aus sinnes- und neurophysiologischen Gründen unvermeidlich fortwährend physiognomisch.Dementsprechend ist denn auch Physiognomik in allen möglichen Wissenschaften zentral.Auch allen möglichen Beratungsleistungen liegt (mehr oder weniger bewusst; manchmal in professioneller Art) physiognomisches Schließen zugrunde. Die Hutersche Psychophysiognomik findet heute verschiedenste Anwendungsgebiete im Bereiche von berufs- und laufbahnbezogener, psychologischer, medizinischer, juristischer Beratung, Human ressource management und Personalführung.
Schadet Psychophysiognomik mehr als sie nützt?
Allgemein macht die Frage, ob die Psychophysiognomik schädlich sei etwa so viel Sinn, wie wenn man fragen würde, ob es eventuell schädlich sein könnte, dass man die Kinder lesen lehrt. Diese Frage wurde auch schon (u. a. von Erziehern und Mächtigen) bejaht.
Gibt es ein Merkmal, das diejenigen haben, die sich für Psychophysiognomik begeistern lassen?
Ausschlaggebend und maßgebend für den Abschluss ist stets die Leistung während des Studiums und in den Prüfungen.
Kann jedermann Psychophysiognom werden oder braucht es dazu eine spezielle Begabung?
Grundsätzlich ist es aber so, dass jeder Mensch ein mehr oder weniger ausgeprägtes gefühlsphysiognomisches Vermögen hat. Jeder Menschen kann nicht anders, als die Umwelt, die er wahrnimmt, zu interpretieren. Menschen interpretieren andere Menschen obligatorisch. Die Leistungsfähigkeit des gefühlsphysiognomischen Vermögens ist individuell sehr verschieden.
Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen der antiken Physiognomik und der heutigen Physiognomik?
Einige Leute behaupten, dass die Physiognomik nur zu Vorurteilen und Rassismus führt. Was halten sie von dieser Behauptung?
Wer Physiognomik ablehnt, hat jedenfalls keine wissenschaftlichen, sondern andere Gründe.
Physiognomik hat bis heute nie zu Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung geführt. Vielmehr ist Physiognomik die Quelle der Humanität. Ich empfehle, diejenigen zu fragen, die solches behaupten, ob sie konkrete Beispiele nennen können, ob sie an historischen oder gegenwärtigen Beispielen die Behauptung begründen können. Sie sollen Namen, Daten und Ereignisse in überprüfbarer Form nennen. Mir ist kein Fall bekannt, dass etwa die „Hutersche Psychophysiognomik“ oder eine andere ernst zu nehmende, also wissenschaftlich fundierte physiognomische Lehre zu Rassismus und zu Diskriminierungen geführt hätte.
Wir wollen aber berücksichtigen, dass die Physiognomik auf dem Weg zur aktuellen Wissenschaft eine lange Entwicklung durchgemacht hat. Es gab Irrungen und Wirrungen. Aber nicht mehr als etwa in der Medizin, Psychologie und Pädagogik oder in der Chemie und Physik, von der Rechtswissenschaft, der Religionswissenschaft und der Politikwissenschaft schon gar nicht zu sprechen.
Hin und wieder wird, meist hinter vorgehaltener Hand, Physiognomik mit dem Dritten Reich in Zusammenhang gebracht, - allerdings nie von Kennern der Materie. Adolf Hitler, dessen Wort im Dritten Reich gewissermaßen gesetzgebende Wirkung hatte, meinte in „Mein Kampf“ (1925/26), nur Hohlköpfe würden vom Äußeren auf das Innere schließen. Die Juden beispielsweise würden öfters aussehen wie Arier, sie seien aber ganz anders. Schlussfolgerungen: Hitler (und das Dritte Reich) war antiphysiognomisch; den Juden hat nicht die Physiognomik zum Schaden gereicht.
Die Hutersche Psychophysiognomik wurde zwischen 1933 und 1945 im Dritten Reich systematisch verfolgt. Die Bücher wurden verbrannt. Das gleiche, systematische Unterdrückung und Verfolgung, war der Fall in den sozialistischen Staaten, etwa in der DDR.
Es ist wohl vor allem Unwissen, was Leute zu Behauptungen, die Psychophysiognomik führe zu Rassismuss und Vorurteilen, verleiten lässt. Manchmal haben sie auch einen etwas seltsamen Grund, sich gegen Physiognomik zu wenden, nämlich dann, wenn sie genug zu verstecken haben. Darauf hat schon Johann Caspar Lavater (1741-1801) in seinem berühmten, vierbändigen Werk "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe" (1775-1778) hingewiesen.

